Vor Corona sind alle Vertriebler gleich

22.06.2020

Ein Logbucheintrag von Michael Graf, Area Sales Manager Deutschland Süd-West, BECK

Michael Graf, Area Sales Manager Deutschland Süd-West, BECK

Heute starte ich wieder hoch motiviert in den neuen Arbeitstag. Heute haben wir den – oha, den wievielten haben wir denn heute? 46. April / 37. März oder doch schon Juni?... Ja, doch Juni, jetzt habe ich es.

Mit dem Datum und der Zeitplanung wird es schwierig, wenn man dir von heute auf morgen quasi den Saft abdreht, deine heiß geliebten Kundenbesuche strikt untersagt und ab sofort Jogginghose, Klopapier und Nudeln eine völlig neue Rolle in deinem Leben spielen. Von Masken, Abstand und hirnzerfressenden Regeln, die sich je Bundesland (in Deutschland) unterscheiden, will ich gar nicht anfangen.

Tagesablauf adaptieren:
Von Zähneputzen bis Niesen

Wenn man Urlaub hat und zuhause ist, fühlt man sich schon mal wohl in Jogginghose – unrasiert – die Frisur auch egal – nur Zähneputzen bleibt ein Muss, aber CORONA ist eine komplett andere und neue Situation. Zunächst einmal gilt es, die täglichen Rituale wie Zähneputzen, Rasieren (was man da alles zu sehen bekommt bei Telko-Meetings... :-), Duschen, Haare stylen nicht zu sehr aus den Augen zu verlieren und auch die Ernährung und den Kaffeekonsum so zu regulieren, dass man zum einen nachts auch gut einschlafen kann und zum anderen nicht irgendwann auch noch die Jogginghose kneift.

Aber wie soll sich das bloß auf den täglichen Arbeitsablauf auswirken? Wie fühle ich mich dabei und wie meine Kunden? Wehe du musst einmal niesen – sofort sind alle Blicke auf dich gerichtet, gefolgt von fünf Metern Abstand mit einem Sprung und Kopfschütteln. Da wirst du direkt verurteilt, unglaublich. Und ich als Allergiker kann da ein Lied von singen!!!

Und dann ausgerechnet jetzt, so kurz nach der Messe – die war richtig gut, das erste Jahr gerade bei BECK vollendet und bereit, voll durchzustarten… und dann das:

C O R O N A - Wer denkt sich sowas aus?
Gerade jetzt wichtig: Austausch mit Kunden

Wie immer hat man zwei Möglichkeiten: Möglichkeit eins: Jammern und abwarten. Hilft aber NIEMANDEM – weder kurz- und schon gar nicht langfristig – und ist zudem absolut nicht mein Ding.

Möglichkeit zwei: Versuchen, das Beste daraus zu machen. Die Situation nutzen, um Lösungen zu finden. Das finde ich deutlich besser :-)

Und wie sich gezeigt hat, ist es das Beste, was ich tun konnte, denn all die Kunden, mit denen ich Kontakt hatte und habe, haben ja das gleiche Problem und einige waren offensichtlich auch dankbar, sich mit mir zu unterhalten, um sich über Beruf, Familie, Sorgen und Ängste auszutauschen.

Es ist ja keiner daran schuld und jeder versucht irgendwie, mit einem blauen Auge davonzukommen und gesund aus der Nummer rauszukommen. Das ist ohnehin das wichtigste: GESUND BLEIBEN.

Wie war denn nun mein Tagesablauf: Im Büro zuhause, viele Telefonate mit Kunden, noch mehr Mails. So in etwa sah in den ersten drei, vier Wochen mein Tagesablauf aus und jeder der mich kennt, weiß, das ist die Höchststrafe für mich – Käfighaltung – auf allerhöchstem Niveau.

Endlich wieder raus dürfen

Interessanterweise war es so, dass sogar noch Anfang Juni größere Unternehmen und Händler keinen Besuch haben wollten oder durften. Direktkunden und Händler, die ihr eigener Chef sind, hatten damit jedoch kein Problem und zack – hatte ich auch schon wieder die ersten Termine, um Kundenbesuche zu machen.

Und ich sage euch, nach fast vier Wochen zuhause wäre ich, egal wohin, mit den Rollschuhen hingefahren – Hauptsache raus :-)

Ob Händler oder Direktkunde einer Zimmerei, es ist einfach ein tolles Gefühl, wieder etwas Normalität zu haben und das tun zu dürfen, was man einfach gerne macht.

Aber wie fühlen sich die Kunden? Nun ja, man merkt die allgemeine Unsicherheit, weil keiner weiß, ob und wie lange die Situation anhält und wie genau die Auswirkungen aussehen werden – dennoch überwiegt das POSITIVE.

Weshalb? Ganz einfach. Der Bauboom reißt nicht ab, ob Neubau, Umbau, Sanierung oder Altbaurenovierungen – die Auftragsbücher sind glücklicherweise voll.

Und genau aus diesem Grund bin ich genauso positiv gestimmt wie meine Kunden, denn wir haben alles, was diese Kunden brauchen, um ihre Baustellen, Projekte etc. umzusetzen und vielleicht, ja vielleicht, findet bei einigen Kunden jetzt auch ein Umdenken statt, was Nachhaltigkeit, Lieferkette und Transparenz angeht.

So, ich geh mal eine frische Jogginghose suchen :-) und Zähne putzen. Was – schon 17 Uhr ?!?!? Wie die Zeit vergeht, verrückt.